Tagungsbericht 2017-11-23T14:51:32+00:00

Tagungsbericht „10 Jahre Kinder und Jugendpsychiatrie als Sonderfach“

Rückblick: Festveranstaltung 10 Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie als Sonderfach

Dieses Jahr feierte das Sonderfach „Kinder und Jugendpsychiatrie“ sein 10-jähriges Jubiläum. Dies wurde im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen gefeiert. Viele VertreterInnen aus dem Bundesministerium, den Sozialversicherungsträgern und den Landesregierungen waren da, um mit den vielen anwesenden FachkollegInnen ins Gespräch zu kommen. Prof. Leonhard Thun-Hohenstein führte als Moderator durch die Referate und die lebendige Diskussion.

Es gab es viele interessante Fachvorträge rund um die Kinder- und Jugendpsychiatrie: Die Sektionsleiterin der Sektion „Öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten“ Dr.in Magdalena Arrouas verwies in ihrer Eröffnungsrede auf vielfältigen Aktivitäten des Bundesministeriums, in denen die Kinder- und Jugendpsychiatrie einen wichtigen Platz einnimmt: im Österreichischen Strukturplan Gesundheit, im Kindergesundheitsdialog sowie in den Gesundheitszielen. Sie verwies auf die Entwicklungen, die dadurch bereits entstanden sind und betont, dass noch weitere geplant sind.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Weiters betonte er die wichtige Rolle von Dr.in Charlotte Hartl, Bundesfachgruppenobfrau für Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der fachlichen und politischen Zusammenarbeit.

Es gibt nun erstmals repräsentative Daten zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Österreich. Univ.-Prof. Dr. Andreas Karwautz, Medizinische Universität Wien, stellte die Ergebnisse der ersten epidemiologischen Studie „Mental Health in Austrian Teenager (MHAT)“ vor. Diese zeigen anschaulich, wie stark die Belastungen bei den Kindern und Jugendlichen und wie hoch dadurch der Bedarf an psychiatrischer Versorgung in Österreich ist.

Hon.-Prof. Dr. Michael Kierein stellte in sehr lebendiger Form die Sichtweise des Ministeriums dar: die Kinder- und Jugendpsychiatrie sei ein Fach, das aufgrund der Kürze seiner Existenz noch dringenden Ausbaus bedarf. Daher wurde gemeinsam mit der Ärztekammer auch die Mangelfachregelung beschlossen. Negativ fiele ihm noch auf, dass Kinder nicht in die KJP fänden. Wenn sie dann doch am richtigen Platz landen, stoßen sie leider auf weitere Probleme, wie lange Wartetzeiten oder zu wenig Betten. Weiters führte er aus, dass eine Kooperation in Bezug auf Entstigmatisierung und besserem Verständnis nötig wäre.

Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Prim. Dr. Rainer Fliedl, gab einen kurzen Überblick über die Veränderungen und Entwicklungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den letzten Jahrzenten. Viel hat sich verändert und getan. Da der derzeitige Ist-Stand in der Versorgungslage noch lange nicht dem tatsächlich benötigten Bedarf an Versorgung entspricht, müssen Entwicklungsschritte für die Zukunft unternommen werden. In der Jubiläumsausgabe der Neuropsychiatrie, dem offiziellen Organ der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, kann dies nachgelesen werden.

Nach der Mittagspause ging Dr. Peter Scholz, Abteilungsleiter im Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, in seinem Referat auf die Entwicklung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung aus einerseits sozialversicherungstechnischer und andererseits aus ökonomischer Perspektive ein.

Dr.in Charlotte Hartl, Bundesfachgruppenobfrau der Österreichischen Ärztekammer, ging in ihrem Referat in sehr praktischer und persönlicher Weise auf das komplexe Netzwerk, welches in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen notwendig ist, ein. Der/die niedergelassene Facharzt/Fachärztin stellt dabei den diagnostischen und therapeutischen Knotenpunkt dar. Das Leid der Kinder und deren Familien ist jedoch groß, da oftmals lange auf einen Termin gewartet werden muss und im Anschluss oft nur die Kapazität für eine Krisenintervention besteht. Längerfristige Behandlung und Betreuung kann kaum angeboten werden.

Im Anschluss an die interessanten Vorträge fand eine Diskussionsrunde mit den Vortragenden und den TeilnehmerInnen statt. In dieser wurden sowohl grundsätzliche Ziele zum Erreichen einer flächendeckenden Basis-Versorgung sowie neue Versorgungszugänge wie beispielsweise das Home-Treatment angesprochen.

Zusammenfassend gibt es folgende Ziele für die nächsten Jahre:

  • Mehr Plätze für stationäre Aufnahmen
  • Ausreichend Fachärzte und Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Ausbau der ambulanten Versorgung
  • Koordinierte Planung und Umsetzung auf Bundes- und Landesebene
  • Unterbringungs- und Heimaufenthaltsgesetz speziell für Kinder und Jugendliche
  • Verbindliche Kooperation mit Jugendhilfe, Schule, Bundessozialamt und AMS
  • Festlegung von Standards für Ambulatorien
  • Transitionspsychiatrie & Neuropädiatrie: Verbindliche Kooperationen mit Kinderheilkunde und Erwachsenenpsychiatrie

Vielen lieben Dank,

Das Präsidium der ÖGKJP

Prof. Dr. Leonhard Thun Hohenstein

Dr.in Magdalena Arrouas

Prof. Andreas Karwautz

Prof. Dr. Michael Kierein

Prim. Dr. Rainer Fliedl

Dr. Peter Scholz

Dr. Charlotte Hartl


Fotos © Damm