Aktuelles 2017-12-17T09:59:46+00:00

Aktuelles

Aktuelles aus dem Vorstand / Präsidium der ÖGKJP finden Sie in jeder Print-Ausgabe unseres offiziellen bei Springer erscheinenden Fachorganes „neuropsychiatrie“, welches zusätzlich für alle Mitglieder im Mitgliederbereich im Volltext lesbar ist.

An der Universität Innsbruck – Institut für Erziehungswissenschaft, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethologie, Institut für Zeitgeschichte – wurde im Juni 2017 ein Schlussbericht veröffentlicht, der sich mit den historisch belasteten und belastenden Dimensionen der Kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung in Innsbruck tiefgehend auseinandersetzt.

Der Bericht von E Dietrich-Daum, M Ralser, D Rupnow, I Friedmann, C Hartig, F Stepanek, A Weiss ist unter dem Link im Volltext lesbar:[gview file=“http://xn--gkjp-4qa.eu/wordpress/wp-content/uploads/2017/10/studie-kinderbeobachtungsstation-nowak-vogl-2017.pdf“]

Stellungnahme des Vorstandes der ÖGKJP zum soeben erschienenen Buch von Mayrhofer at al., LIT
Verlag
Monographie von Mayrhofer et al. im LIT-Verlag, 2017
Anfang März 2017 erschien die Studie „Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in der Wiener
Psychiatrie von 1945 bis 1989. Stationäre Unterbringung am Steinhof und Rosenhügel“ von
Mayrhofer et al., die im Auftrag des Wiener Krankenanstaltenverbundes von 2015-2016
durchgeführt wurde. http://www.wienkav.at/kav/gd/ZeigeAktuell.asp?ID=26062
Sie befasst sich mit unsäglichen Vorkommnissen zwischen dem Ende des 2. Weltkrieges und 1989 an
zwei Abteilungen, in denen entwicklungsauffällige / behinderte Kinder behandelt wurden: der
Pavillion 15 am Steinhof und die sog. „Rett-Klinik“ am Rosenhügel.
„Die Studie hatte zum Ziel, die medizinische Behandlungspraxis und pflegerische sowie psychosoziale
Betreuungssituation in den beiden stationären Einrichtungen umfassend auf breiter Datenbasis zu
rekonstruieren.“
Die Ergebnisse sind erschreckend und beschämend für medizinische Institutionen, die für Hilfe von
von Krankheit und Behinderung Betroffene verantwortlich sind.
Wir bedauern zutiefst das Leid, das den Kindern im Rahmen der „Behandlung“ an diesen Abteilungen
zugefügt wurde und setzen alles daran zur Aufklärung derartiger Situationen beizutragen. Den
Werten eines humanistischen Menschenbilds verpflichtet – mit Wertschätzung ihrer Integrität, mit
Transparenz und daher nachvollziehbar für PatientInnen und deren Angehörigen, behandeln wir die
uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen.
Obwohl die Personen, die Gewalthandlungen im Rahmen der stationären psychiatrischen Versorgung
setzten in diesem Zeitraum keine Kinder- und Jugendpsychiater sondern Psychiater und Kinderärzte
bzw. Neuropädiater / Kinderneurologen – waren, nehmen wir als Vorstand der ÖGKJP die in der
Studie dargestellten schrecklichen Tatsachen ernst und als (Vor-)Geschichte unseres Faches wahr.
Österreich definierte erst 1974 das Zusatzfach zur Pädiatrie, Neurologie oder Psychiatrie, das
„Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters“ genannt wurde. Umso wichtiger ist die weitere
Entwicklung, die ein Sonderfach Kinder- und Jugendpsychiatrie ab 2007 in Österreich etablierte und
zuletzt mit der Integration der „Psychotherapie“ in den Titel „Sonderfach für Kinder- und
Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin“ 2015 kulminierte.
Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Werk von Mayrhofer et al. wird im Rahmen eines
Sonderheftes des offiziellen Organes der ÖGKJP „neuropsychiatrie“ zum 10-jährigen Jubiläum der
Errichtung des Sonderfaches „Kinder- und Jugendpsychiatrie (und Psychotherapeutische Medizin)“,
im Herbst 2017 erfolgen.
Der Vorstand der ÖGKJP, im März 2017
Zum Buch:
Menschen mit Behinderung in der Wiener Psychiatrie
Zeithistorisch-sozialwissenschaftliche Fallstudien zu Pavillon 15 „Am Steinhof“/Otto-Wagner-Spital
und Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel im
Gesamtzusammenhang der Wr. Psychiatrie und Behindertenhilfe

http://www.irks.at/forschung/social-inclusion/menschen-mit-behinderung-in-der-wiener-
psychiatrie.html

Im Dezember 2014 beauftragte der Wiener Krankenanstaltenverbund das Institut für Rechts- und
Kriminalsoziologie mit der zeithistorisch-sozialwissenschaftlichen Erforschung von zwei Einrichtungen

zur stationären Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen der jüngeren
Geschichte Wiens: Pavillon 15 „Am Steinhof“ (ab 1963 Psychiatrisches Krankenhaus „Baumgartner
Höhe“) und die vom Neuropädiater Andreas Rett gegründete „Abteilung für entwicklungsgestörte
Kinder“ am Neurologischen Krankenhaus der Stadt Wien-Rosenhügel. Den Ausgangspunkt bildeten
Vorwürfe in Bezug auf pflegerisch-betreuerische Missstände sowie menschenunwürdige Zustände
bzw. ebensolche medizinische Behandlungsweisen durch ÄrztInnen gegenüber Kindern und
Jugendlichen mit Behinderung auf Pavillon 15 sowie an der sogenannten „Rett-Klinik“. Die Studie
hatte zum Ziel, die medizinische Behandlungspraxis und pflegerische sowie psychosoziale
Betreuungssituation in den beiden stationären Einrichtungen umfassend auf breiter Datenbasis zu
rekonstruieren.
Die Forschungsarbeiten begannen Anfang 2015 und erstreckten sich bis Ende 2016. Durch
ausführliche Recherchen in unterschiedlichen Archiven konnte eine große Fülle an relevanten Akten
(Krankenakten, Jugendamtsakten, Personalakten, Korrespondenz- und Verwaltungsakten,
Obduktionsprotokolle, Gerichtsakten etc.) erschlossen und ausgewertet werden. Hinzu kamen in
Summe 100 Interviews mit ehemaligem Personal, betroffenen Personen, Angehörigen und anderen
ZeitzeugInnen sowie mit ExpertInnen der Psychiatrie, Behindertenhilfe, Jugendwohlfahrt und zu
relevanten Rechtsmaterien.
Die umfangreichen Ergebnisse der Studie stehen als eBook (PDF) zum kostenfreien Download bereit.
Das Buch ist auch als Paperback zum Preis von € 29,90 im Buchhandel erhältlich.
Auftraggeber:
Wiener Krankenanstaltenverbund
Projektleitung
Hemma Mayrhofer
ProjektmitarbeiterInnen am IRKS
Katja Geiger, Walter Hammerschick und Veronika Reidinger
Externe ProjektmitarbeiterInnen
Gudrun Wolfgruber, Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit, Fachhochschule Campus Wien
Wissenschaftlicher Projektbeirat
ao. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Forster, Universität Wien
Dr. Gert Lyon, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie
FH-Prof. Dr. Elisabeth Raab-Steiner, Fachhochschule Campus Wien
Prof. Dr. Darja Zaviršek, University of Ljubljana
Projekt Laufzeit
Jänner 2015 – Jänner 2017
Hemma Mayrhofer, Gudrun Wolfgruber, Katja Geiger, Walter
Hammerschick, Veronika Reidinger (Hg.)
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in der
Wiener Psychiatrie von 1945 bis 1989
Stationäre Unterbringung am Steinhof und Rosenhügel
Reihe: Schriften zur Rechts- und Kriminalsoziologie, Band 8, 2017, broschiert,
631 Seiten
LIT Verlag
ISBN: 978-3-643-50792-1
€ 29.90