2018 IST Stand der Versorgung2018-10-01T22:10:44+00:00

Ist-Stand der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Versorgung 2018

Rainer Fliedl, Charlotte Hartl, Andreas Karwautz

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Die Entwicklung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Österreich wurde von Charlotte Hartl und Andreas Karwautz (2017)[1] sehr differenziert und ausführlich beschrieben. 2006 wurde die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein eigenständiges Fach und seither kam es zu einer stetigen Entwicklung in unterschiedlichsten Gremien, wie dem Kindergesundheitsdialog, dem Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) und dem Hauptverband. Als Zielgrößen wurden eine Bettenmessziffer von 0,08 bis 0,13 pro 1000 Einwohner, ein kinder- und jugendpsychiatrisches Ambulatorium/eine Ambulanz auf 250.000 Einwohner (hier fehlen allerdings bis heute verbindliche Strukturkriterien) und eine kinder- und jugendpsychiatrische Kassenstelle auf 80.000 Einwohner.

In dem Artikel von Hartl und Karwautz (2017) wird der Entwicklungsstand der letzten 10 Jahre zusammengefasst. Für die intramurale Versorgung standen zum damaligen Zeitpunkt etwa 50% der benötigten Plätze zur Verfügung, wobei sich die Verteilung über die unterschiedlichen Bundesländer hinweg als sehr heterogen erwies. Die kassenärztliche Versorgung war zu diesem Zeitpunkt zu etwa 25% ausgebaut.

Nachfolgend werden die damals erhobenen Zahlen mit dem Ist-Stand 2018 verglichen um Entwicklungen in unterschiedlichen Versorgungsebenen in den einzelnen Bundesländern darzustellen.

Stationärer Bereich: Hier kam es zu einer in fast allen Bundesländern zu Verbesserungen. In einigen Bundesländern wurden neu Einrichtungen eröffnet, in anderen kam es zu einer Vermehrung der stationären Plätze, wodurch sich die Bettenmessziffer (BMZ) österreichweit um 0,01 ‰ verbessert hat. Der Zuwachs der Plätze war in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich.

Trotz Verbesserungen im stationären Bereich liegt die Bettenmessziffer allerdings noch in nahezu allen Bundesländern unter dem geforderten Wert von 0,1 ‰.

An der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters in Klagenfurt wurde ein PSO Schwerpunkt errichtet und 6 neue TKL-Plätze geschaffen. In Niederösterreich wurde in Waidhofen an der Thaya und in Wr. Neustadt eine Tagesklinik, mit jeweils 10 Plätzen errichtet und im Landesklinikum Mauer sind mit der Eröffnung des Neubaus der Kinder- und Jugendpsychiatrie neue Plätze entstanden. Auch in Oberösterreich wurde die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Keppler Universitätsklinikums um eine Tagesklinik mit 10 Plätzen für Kinder erweitert. Salzburg bekam eine psychosomatische – psychiatrische Station in der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde in Schwarzach, in der 6 Betten als KJPP bewertet werden. Insgesamt kam es österreichweit zu einem Zuwachs von 86 KJPP-Bereuungsplätzen.

Das Verhältnis von tagesklinischen zu vollstationären Plätzen fällt österreichweit mit einem Verhältnis 30% zu 70% sehr homogen aus (in Tirol wird nächstes Jahr eine TKL in Innsbruck eröffnet).

FachärztInnen mit Kassenvertrag: Die Anzahl der niedergelassenen FachärztInnen hat sich von 2016 auf 2018 von 26,5 auf 29 Stück erhöht. Eine Kassenstelle wurde in NÖ und 2,5 wurden in Vorarlberg besetzt. Derzeit gibt es unbesetzte Stelle in Salzburg. Damit ist der Bedarf an FÄ zu 27% erfüllt. In zwei Bundesländern gibt es weiterhin keine niedergelassenen FÄ mit Kassenvertrag.

Ambulanzen und Ambulatorien: Über die genaue Anzahl der Ambulanzen und Ambulatorien kann derzeit noch immer keine klare Auskunft gegeben werden, da es noch immer keine klaren Strukturkriterien gibt und sehr unterschiedliche Einrichtungen diese Bezeichnung führen.

 

[1] Hartl, C. & Karwautz, A. (2017). Zehn Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich: ein neues ärztliches Sonderfach in den Strukturen des Gesundheitswesens. Neuropsychiatrie, 31(3)